DAS ATELIER

SONNENDECK.FM

Ich starb an einem nieselgrauen Frühlingstag im Jahre 1968, vermutlich in Wolfsburg - oder Oberfranken. Irgendwas mit O. Genau lässt sich das nicht mehr sagen. Schon im Sommer des gleichen Jahres erblickte ich neuerlich das Licht der Welt. Diesmal in München, Schwabing. Ich schätze, so ziemlich ab diesem Zeitpunkt kam ich in Erklärungsnöte.

CHRISTOPH GÖPNER
*1968

Zeichnung, Malerei, Öl, Aquarell und Acryl, Grafik, Objekte und Konzeptkunst: Der Münchener Illustrator und Grafiker Christoph Göpner hat in vielen Genres geglänzt. Seit 2009 ist er mit seinem großflächigen Bildern dort gelandet, was man als „Münchener Schule des Fantastischen Pragmatismus“ bezeichnen könnte: Freudsche, bildgewaltige Traum- und Albtraumwelten werden humorvoll aufgebrochen durch paradoxe Bezüge zu sachlichen Gegenständen des materiellen Alltags. Ein versenkter VW-Bus blubbert in einer irreal wabernden Tiefseewelt. Derselbe Bus schwebt an einer an Jules Verne erinnernden, technoid-nostalgischen und detailverliebten Technikvision eines Zeppelins.

Es ist die subversive Distanz zum Dasein, das Spiel zwischen Realismus und Surrealismus und die Ambivalenz zwischen ursprünglicher Natur und Digitalwelt 2.0, die Göpners Motive so eindrucksvoll machen. Bis hinein in die materielle Umsetzung zieht sich diese Kunst gewordene „Paradoxe Intervention“: Klassische, analoge und nach Wachs duftende Holzrahmen und Leinwand treffen auf Computeranimation und Dibond. Göpners evidente Umsetzung seiner durch die Linse des Romantikers, des Kenners kulturepochaler Sichtweisen beobachteten Natur- und Gesellschafts-Erscheinungen zeigen ihn als Wandelnden in beiderlei Bedeutung: Als Wandelnder, als einfühlsamer Spaziergänger zwischen Natur und Fantasie. Und als Ver-Wandelnder, als ein Neugestalter seiner zusammengetragenen Eindrücke und Fundsstücke aus Setzkästen, Sammelalben, Herbarien, Bildatlanten und alten Landkarten. Göpner ist ein Architekt der Träume, der kleinen Fluchten, die den genüsslich betrachtenden Schlafwandler mittels augenzwinkernder, zweideutiger Hinweise zurück ins Hier und Jetzt bugsieren. Stets ist man sich in seinen sinnlichen, verzauberten und überbordend ausgestatteten Naturbildern des Strands unter dem Pflaster bewusst, des rhizomierenden utopischen Wuzelgewebes hinter und unter der Realität und dem Bewusstsein. 

Leider habe die Worte „Fallhöhe“ und „Vergänglichkeit“, die in jede anständige Kunstrezension gehören, hier keine Verwendung gefunden. Hier fällt keiner. Hier schwebt man. Gänzlich unvergänglich, ewig, ein Teil der Natur, des Universums. Das nächsten Mal wieder.


K. Hofacker

AUSSTELLUNGEN


2025: „Die Guten Gaben“, The English Haircutters, München / ​2024: „NACHT DER KUNST“, Budde-Haus, Leipzig / ​2022: „NACHT DER KUNST“, Budde-Haus, Leipzig / 2018: „68. BAYREUTHER KUNSTAUSSTELLUNG“, Erimitage, Bayreuth / 2017: „MULTI M“. Kulturpackt Schweinfurt / 2015: „ABSCHIED“, Salon Irkutsk, München / 2013: Stroke Art Fair, Alte Münze, Berlin / 2013: „BLITZVERNISSAGE“, Mamasita, München / 2012: „ENDZEIT – EIN APOKALYPTISCHES SAMMELSURIUM“, Peng, Mainz / 2012: „MUSIKMESSE 2012, PPV Medien, Frankfurt / 2011: „BILDGEWORDENE LIEBESLIEDER“, Salon Irkutsk, München / 2011: „ANALOG – DIGITAL“, Uli Koch und Christoph Göpner im Atelier Sonnendeck, München / 2011: „PHANTASTISCHE WELTEN“, Wanja Belaga und Christoph Göpner im Provisorium, München / 2011: DÜSSELDORF-RHEINHÖFE, Studieninstitut für Kommunikation, Düsseldorf / 2011: „KREUZIGUNG/UTOPIE“, Salon Irkutsk, München / 2011: MUSIKMESSE 2011, PPV Medien, Frankfurt / 2011: BETEILIGUNG AM BENEFIZ-EVENT, „WE-R-JAPAN“ Odeonsplatz, München / 2010: „HÜTTENZAUBER“, Bussmann, München / 2010: „MIT EINEM STICH INS GRÜNE“, Hollenbach, München / 2009: „BILDGEWORDENE LIEBESLIEDER“, Schönweitz, München

Der Mann, der nicht Musik hat in ihm selbst, Den nicht die Eintracht süßer Töne rührt, Taugt zu Verrat, zu Räuberei und Tücken … Trau' keinem solchen!